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Uns fehlen die Worte....

24 Tage in der RCA und uns fehlen die Worte! Die Menschen, die Natur, die Strassen, … hier ist alles anders, und zwar wirklich alles! Wir haben in unseren ersten drei Wochen schon so vieles erlebt und bei vielen dieser Erlebnissen fehl(t)en uns einfach die Worte.

In diesem und im nächsten Blog-Beitrag beschreiben wir, warum genau es uns beiden gerne «viel-redenden Personen» hier so oft die Sprache verschlägt.

 
DIE LEUTE…

… und deren Gastfreundschaft und Freundlichkeit uns gegenüber; da fehlen uns die Worte. Die vergangenen beiden Wochen verbrachten wir im Hinterland, in der Stadt Mobaye, ca. 600km entfernt von der Hauptstadt Bangui, wo wir sonst wohnen. Das Leben dort ist nochmals ein ganz anderes als hier in der Hauptstadt. Die Freude war riesig, als wir dort angekommen sind. Denn die Region rund um diese Stadt war einer der Hauptbrennpunkte des Bürgerkrieges und der Rebellion, welche seit 2013 manchmal mehr, manchmal weniger, andauern. Die Menschen in Mobaye leben in einfachen Verhältnissen. Uns geben sie aber immer das Allerbeste! Wir durften in einem Haus mit zwei Zimmern und Innendusche (später mehr dazu) übernachten. Die Betten waren mit Matratzen und Moskitonetzen ausgestattet. – Viele der Afrikaner im Hinterland haben nicht einmal ein Bett und schlafen auf dünnen Stroh-Mätteli am Boden.

Morgens, mittags und abends werden wir köstlich bekocht, immer mit dem Besten vom Besten. Hier bedeutet das: viel Fleisch und/oder Fisch, eines ihrer Gemüse, Kochbananen und Reis. Zu beachten gilt es, dass sich die Zentralafrikaner meist sehr einseitig (hauptsächlich mit Gozo, ein Gericht gefertigt aus der Wurzel Maniok) und einfach ernähren; und bestimmt nicht mit so viel Fleisch und Fisch.

Zudem wurde uns immer für die Abend- sowie auch die Morgendusche warmes Wasser bereitgestellt. Zur Erklärung: Fliessendes Wasser gibt es im Hinterland nicht, geduscht wird mit einem Eimer Wasser und kleinen Becher zum «über-sich-giessen». Das Wasser wird für uns extra auf dem Feuer erwärmt. Ein weiteres Beispiel: Als wir die Rückfahrt mit dem Auto vom Hinterland wieder zurück in die Hauptstadt antreten, müssen wir unterwegs übernachten. Als wir gegen 23:00 bei einer Kirche ankommen, um uns dort für wenige Stunden hinzulegen, schlafen die Leute bereits. Sie stehen auf und tragen Matratzen und Decken für uns raus, damit wir gut schlafen können. Sie selbst schlafen in dieser Nacht wohl einfach am Boden… uns fehlen die Worte! So viel Gastfreundschaft und Freundlichkeit haben wir doch gar nicht verdient! Für die Leute vor Ort hingegen ist es eine Ehre, uns in allen Angelegenheiten ihr allerbestes zu geben und sich selbst zurückzustellen. Für sie steht Geben und Helfen immer an erster Stelle.

Wie viel könnten wir davon lernen, uns selbst und unsere Bedürfnisse zurückzunehmen und den nächsten höher zu achten? Wir jedenfalls möchten uns ihre Gastfreundschaft und Selbstlosigkeit als Vorbild nehmen. Und nicht nur von der Gastfreundschaft wollen wir uns eine Scheibe abschneiden, sondern auch von der Lebensfreude der Zentralafrikaner! Die Leute hier stecken einen richtig an mit ihrer lebensfrohen Ausstrahlung und ihrem Lachen.


DIE GESCHICHTEN

In unseren ersten drei Wochen hier in der RCA haben wir viele spannende und vor allem beeindruckende Personen kennengelernt. Wenn diese Menschen aus ihrem Leben erzählen, bleiben die Worte weg. Bei unserem Aufenthalt im Hinterland lernten wir einen Mann, dessen Haus die Anschrift: «Maison de la paix» also «Haus des Friedens» trägt, kennen. Was es damit auf sich hat, erzählte er uns selbst: Als die Rebellion und der Bürgerkrieg in Mobaye angekommen war, sind viele Personen in den benachbarten Kongo geflüchtet. Er und seine Familie blieben jedoch in Mobaye wohnhaft, obwohl er als Pastor mehrfach die Möglichkeit gehabt hätte, begleitet zu fliehen. Zur Erklärung: In diesem Land hat der Glaube einen sehr hohen Stellenwert und geistliche Leiter (egal welcher Glaubensrichtung) sind sehr angesehene Personen. Da die Lebensumstände und die politische Lage in der RCA so kritisch und schwierig sind, gibt der Glauben Hoffnung und Zuversicht. Dieser Mann erzählte, wie die Rebellen das Gelände seines Hauses und seiner Kirche mit Waffen beschossen haben oder wie er jemandem aus dem Kriegsgebiet herausholte, der bei einem Überfall der Rebellen durch Messer so stark verletzt wurde, dass er beinahe gestorben ist. Es ist unglaublich tragisch, was dieser Mann und seine Familie – und alle anderen Leute in dieser Stadt – erlebt haben. Dieser Mann wurde durch seine Taten von der Bevölkerung, als auch von den beiden Rebellengruppen und deren Anführern je länger je mehr geschätzt. Da er zwischen den beiden Rebellengruppen vermittelt hatte, wurde er zum Friedensbotschafter mitten in der Rebellion. Schlussendlich fanden sogar Friedensverhandlungen zwischen den beiden Rebellengenerälen in seiner Stube statt; er als Vermittler dazwischen! Und so entstand die Anschrift «Maison de la paix». Und genau in diesem Haus gingen wir während 14 Tagen ein und aus. – das machte uns wirklich sprachlos!

Dies ist nur eine von vielen Personen mit unglaublichen Geschichten, die wir in den letzten Wochen kennengelernt haben. Für uns ist es wirklich eine Ehre und uns fehlen immer wieder die Worte, wenn wir solche Leute treffen und kennenlernen und sie uns ihre Geschichten erzählen. Schreibe uns gerne, wenn dich solche Geschichten genauso interessieren, wie uns, damit wir diese in unseren Posts und Blogs einbauen können.



DIE STRASSEN

Strassen kann man die Wege hier eigentlich gar nicht nennen. Im ganzen Land (Fläche 15x grösser als die Schweiz) gibt’s momentan rund 400km geteerte Strassen, der Rest ist Naturstrasse. Klingt ja vorerst nicht so problematisch, aber der Zustand dieser Naturstrassen ist eine einzige Katastrophe! Hier in der Hauptstadt werden allmählich weitere Strassenabschnitte geteert. Die Verbindungsstrassen zum Hinterland jedoch sind völlig vernachlässigt. Als wir vom Hinterland (über 600km) mit dem Auto via Strasse in die Hauptstadt zurückfahren, werden wir mit der Realität der Strassen und deren Zustände konfrontiert. Löcher so gross wie Lastwagen, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug zwischen 20 – 30 km/h. (man rechne wie lange wir für 600km benötigt haben…). Die ersten ca. 50km fuhren wir mit einem Pickup, wir sassen oder standen hinten auf der Ladefläche. Klingt ja nach Abenteuer, war es auch. J Aber für diese Strecken benötigten wir ganze vier Stunden! Uns tat alles weh. Und nicht zu vergessen: wir hatten weitere 590km vor uns, bis wir am Ziel waren… Der Rest der Strecke durften wir allerdings auf einer normalen Sitzbank hinten in einem Auto verbringen. Das ganze Geschüttel und Gerüttel setzte uns allen aber ordentlich zu und wir waren unendlich froh, nach ca. 35h fast ununterbrochen Fahren, endlich wieder in der Hauptstadt angekommen zu sein. Zu betonen gilt es, dass wir keine «Feldwege» oder «Quartierstrassen» gefahren sind, sondern uns immer auf den Hauptstrassen, quasi den Autobahnen der RCA befunden haben.

Uns macht es sprachlos und auch nachdenklich, dass die Strassen mit jeder Regenzeit schlimmer werden und niemand etwas dagegen unternimmt. Ohne funktionierendes Strassennetz nimmt die Lebensqualität immer mehr ab und das Hinterland wird vom Rest des Landes quasi abgeschnitten.

Die Strassen hier… da fehlen uns die Worte! Unvorstellbar für uns.


Im nächsten Blog-Beitrag geht’s um weitere drei Themen, bei denen uns die Worte fehl(t)en. Falls du benachrichtigt werden möchtest, wenn dieser (und alle weiteren Beiträge) erscheint, dann melde dich hier an.

229 Ansichten3 Kommentare

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3 Comments


Guest
Dec 07, 2022

Zwei jugendliche Schweizer erstmals in Zentralafrika. Scheinbar halten sich die Menschen nicht an den "World Happiness Report" !!! Dort ist das Volk in der Schweiz weltweit das drittglücklichste nach Finland und Dänemark. Die Zentralafrikanische Republik ist aber danach das 149 Land in dieser Bewertung von 155 bemessenen Staaten. ??! Euer Bericht ist einfach echt erlebt und so wahr!!

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enwe.fz
enwe.fz
Dec 07, 2022

Mir g'faue G'schichte, wo d's Läbe g'schriebe het - nume witer so 👍🏻

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Guest
Dec 07, 2022

Sehr spannende Geschichten! Danke. 😀

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