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Uns fehlen die Worte 2.0

Die Kinder, die Natur und das Land/die Politik. Uns fehlen nochmals die Worte… in diesem Blog-Beitrag beschreiben wir, warum.

 
DIE KINDER

In der Zentralafrikanischen Republik sind 50% der Bevölkerung unter 18 Jahre alt. Überall wo man hinschaut sind Kinder unterwegs; am Lachen, am Spielen und auch am Staunen – jedenfalls wenn wir als Weisse vorbeigehen. Viele der Kinder, vor allem im Hinterland, haben selten oder noch gar nie eine weisse Person gesehen. Es ist ein spezielles Gefühl, durch die Strassen von Mobaye zu spazieren und alle paar Meter rennen Kinder entgegen, jubeln und wollen Hallo sagen. Das grösste für die Kids ist es immer, wenn sie jemandem von uns die Hand schütteln können. Man kommt teilweise fast nicht nach mit Händeschütteln, sodass wir irgendwann mit High Fives angefangen haben. – das ging dann etwas zügiger. :)

Dennoch: Die Kinder (und auch viele Erwachsene) freuen sich unglaublich, dass wir als Weisse sie im Hinterland besuchen kommen. Denn wir bringen durch unser Kommen Hoffnung und geben ihnen zu spüren, dass sie nicht vergessen sind. So ist es umso schöner High Fives zu verteilen und zu winken, wenn jemand vom Strassenrand her «Moundou», ausgesprochen »Munschu» - auf Sango, die Landessprache: «Weisser»; positiv und nett gemeinter Ruf als Gruss um uns einen «Namen» zu geben. In keiner Weise despektierlich gemeint! – ruft und anschliessend die Augen zu strahlen beginnen.

Uns fehlen die Worte, dass wir als Weisse hierhin kommen und alleine durch unser Dasein Freude und Hoffnung verbreiten können.


DIE NATUR

Die RCA befindet sich quasi auf dem Äquator. Entsprechend feucht und heiss ist das Klima hier. Die Sonne geht morgens um ca. 5:30 auf und abends zwischen 17:30 und 18:00 unter; beinahe Tag- und Nachtgleiche. Momentan ist Trockenzeit, das heisst, es regnet praktisch nicht mehr, wohingegen es während der Regenzeit täglich tropische Regengüsse gibt. In der Trockenzeit sinken die Wasserstände der Flüsse kontinuierlich und werden dann in der Regenzeit wieder aufgefüllt. Seit unserer Ankunft hier vor vier Wochen ist der Wasserstand des Flusses Oubangui sicher um einen Meter gesunken. Schon allein diese Tatsachen und Unterschiede des Klimas und der Naturereignisse sind für uns als Schweizer, die wir an vier Jahreszeiten gewöhnt sind, schwer vorstellbar.

Die RCA ist zudem unglaublich fruchtbar! Hier wächst fast alles, und zwar im Überfluss. Bananen, Mango, Passionsfrucht, Papaya, Orangen, Avocado, Süsskartoffeln, Ingwer, Tomaten, Gurken, … die Liste der uns bekannten Früchte, Gemüse und Wurzeln ist schier endlos. Hinzu kommen Fruchtarten, die wir bei uns nicht wirklich gut kennen: Jackfruit, Pommesitère, Corosole und viele mehr, die wir bis jetzt auch noch nicht kennen. :)

Endgültig sprachlos wurden wir dann, als uns erzählt wird, dass hier so viele Mangos an den Bäumen wachsen, dass diese teilweise runterfallen und nicht verarbeitet oder gegessen werden. – es hat soooo viele, das wäre gar nicht möglich. Wer also exotische Früchte mag: hier hat’s mehr als genug!


Immer, wenn wir unterwegs sind, staunen wir über die grünen und saftigen Landschaften hier in der RCA. Das Grün hat eine Farbe, wie wir es bei uns in der Schweiz nicht kennen; leuchtend, fast schon kitschig. Am Strassenrand blühen Bäume und Sträucher mit unzähligen Blumen und Früchten.

Letztens machten wir einen Ausflug an einen Wasserfall. Funfact: der Wasserfall ist auf Google Maps nicht sichtbar, weil er sich Mitten im Dschungel befindet und die Bäume so riesig und dicht sind, dass von oben nichts sichtbar ist.

Wir kamen in einem Dorf an, weit und breit nichts von einem Wasserfall zu sehen. Dort stiegen vier junge Männer zu uns ins Fahrzeug ein. Sie waren unsere Guides. Dann bogen wir ab, direkt ins Grün. ;) Keine Strasse mehr zu sehen – aber sie meinten, dass SEI die Strasse und eben der Weg zum Wasserfall. Zwischendurch stieg einer der Männer aus und räumte mit dem Buschmesser Sträucher und Äste weg. Ca. 15 Minuten ging die Fahrt mitten durch den Wald. Die Strasse war teils mehr, teils weniger gut erkennbar. (oft weniger gut) Dann parkierten wir das Auto und es ging zu Fuss weiter. Ein schmaler Weg mitten durch den zentralafrikanischen Wald. Riesige Bäume, unzählige Schmetterlinge in allen Formen und Farben, Pilze, Lianen, Ameisen, Spinnen (eine war riesig!) … . Schon alleine der Fussweg bis zum Wasserfall war ein Erlebnis.

Und dann kamen wir beim Wasserfall an. Uns blieben die Worte weg. Einfach WUNDERSCHÖN! Eine solches Naturwunder mitten im Wald. Selbstverständlich konnten wir uns ein kurzes Bad im «Sprudelwasser» nicht entgehen lassen.


Wusstest du, dass...

... Lianen natürliche Trinkwasserspeicher sind? Das gespeicherte Wasser ist klar und hat einen erfrischenden Geschmack. Wir haben selbst probiert! Unglaublich. (Bild dazu unten)



DAS LAND, DIE POLITIK

In fast allen Statistiken zur Lebensqualität ist die Schweiz in den obersten Rängen zu finden (je nach Statistik zwischen Platz drei und sieben). Die RCA hingegen belegt meist einer der letzten sieben Ränge oder taucht gar nicht erst in den Statistiken auf. Unterschiedlicher könnten die beiden Länder also nicht sein. Warum es der RCA so geht, obwohl das Land reich an Bodenschätzen, Nahrung, Wasser und wunderbarer Natur ist, lässt sich nicht so einfach erklären. Die Probleme sind vielschichtig; vieles hat einen Zusammenhang mit der Politik, vieles mit der Korruption und vieles auch einfach mit dem Denken und der Prägung der Einwohner. Kurz zusammengefasst: Wir sind immer wieder sprachlos, wenn wir hören, wie die Politiker das Land regieren oder wie in den oberen Etagen viel, viel Geld «wegkommt», bevor es der Bevölkerung zu Gute kommt.

Wir sind per Internet-Telefon erreichbar, wenn’s jemand genauer wissen möchte. :)


Die RCA ist wirklich ein Land, das uns auf vielen Ebenen sprachlos macht! So viele Themen, bei denen uns im positiven, als auch im nicht so positiven Sinne die Worte fehlen. Wir tauschen oft mit den Eltern von Lea aus, die seit acht Jahren hier wohnen; auch ihnen fehlen teilweise immer noch die Worte.

Diese komplett andere Welt hier mit allen Sonnen- und Schattenseiten lernt einen vieles. Viele «Schweizer-Probleme» werden ganz klein und man ist plötzlich dankbar, wenn für zwei Stunden der Strom da ist oder man gut von A nach B gereist ist.

225 Ansichten2 Kommentare

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2 Comments


Guest
Dec 12, 2022

So schön wie ihr das mit frischen und staunendem Geist seht und beschreibt. Werdet weiterhin geprägt mit einem offenen erweiterten Horizont.

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enwe.fz
enwe.fz
Dec 12, 2022

🔨Biuder 😃😃

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