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  • AutorenbildLea

Unsere Reise beginnt mit viel Geduld...

Gefühlt lange ist’s her, als wir am 30.12.2022 das erste Mal südamerikanischen Boden betreten haben. Mittlerweile ist der erste Monat vom Jahr 2023 (und etwas mehr) schon Geschichte. Für uns ein Monat des Wartens uns des Geduldig sein’s.

 

MONTEVIDEO - Die Hauptstadt Uruguays

Der Januar wäre unser erster richtiger Reise-Monat gewesen. Nicht, dass wir bis dahin nichts erlebt hätten, im Gegenteil. Seit Oktober sind wir ja immer wieder am Reisen: Der Nizza-Kurztrip, unsere Graubünden-Reise und unser RCA-Aufenthalt. Und doch sprachen wir seit Monaten, fast schon Jahren von diesem Januar 2023, wenn unser Bus dann endlich in Uruguay ankommen sollte und wir mit unserer Südamerika-Reise starten können. Aber wie’s beim Reisen ebenso ist, läuft nicht immer alles nach Plan.


Der eigentliche Ankunftstermin unseres Containers in Montevideo wäre der 19.1.2023 gewesen. Bis dahin haben wir uns ein Airbnb in der Hauptstadt Uruguays gebucht. Das Apartment war sehr klein, hatte aber alles, was wir brauchten und sogar noch mehr: Aussicht (die Wohnung war im 10ten Stock), circa fünf Gehminuten von der Promenade und dem Strand entfernt, zwei Gehminuten bis zum nächsten Einkaufszentrum und schnelles Wlan. Diese Zeit haben wir erstens genutzt um die Erlebnisse in der RCA Revue-Passieren zu lassen, zweitens, um offene Pendenzen zu erledigen wie beispielsweise die Steuererklärung, drittens, um Spanisch zu lernen und viertens einfach um Ferien zu machen. :)

Meist nutzten wir den Vormittag um Spanisch zu lernen. Am Nachmittag standen oft Erledigungen aller Art auf dem Programm: Wäsche waschen, Steuererklärung ausfüllen, Fotos bearbeiten und so weiter… Am meisten genossen wir es, am Abend, wenn die Sonne nicht mehr so stark war, am Strand spazieren zu gehen. Das machten wir fast jeden Tag und das war wirklich entspannend, was wir nach unserem aufregenden Tagen in Zentralafrika gut gebrauchen konnten.


Als wir dann von unserer Verschiffungsagentur erfahren haben, dass das Schiff mit unserem Bus nicht pünktlich ankommt, haben wir uns ein neues Airbnb in einem anderen Stadtteil gesucht. Dieses Apartment war noch kleiner als das erste und auch viel älter. Wir konnten nicht mehr so einfach an den Strand gehen und auch die Aussicht war nicht mehr da. Naja, dafür waren wir nahe an der Altstadt, was offenbar ein «must see» in Montevideo ist. Aber ganz ehrlich: Nach nun schon mehr als drei Wochen hat man die Stadt Montevideo echt gesehen Die Zeit verging langsam und wir wünschten uns von Tag zu Tag mehr, endlich mit unserem Bus unterwegs sein zu können.



PARAISO SUIZO - ein echtes Paradies und eine der besten Entscheidungen bisher

Wir verabredeten uns mit unseren Containerbuddies. Sie heissen Fiona und Felix, kommen aus Deutschland, fahren einen roten Toyota LandCruiser und haben einen unglaublich härzigen Hund namens Berta. Gemeinsam mit ihnen gingen wir zum Hafen und trafen bereits die uns möglichen Vorbereitungen für die Abholung unserer Fahrzeuge. Der damalige Ankunftstermin des Schiffs war der 26. Januar. Zu unser aller Frust jedoch meinte der nette Mann dort, dass auch wenn das Schiff am genannten Termin ankommt, wir unseren Container mit den Fahrzeugen nicht vor dem 2. Februar rausholen können. Das dauere immer seine Zeit mit der Abwicklung von Containern. Maaaan, nochmals eine Woche länger warten. Darauf hatten wir in diesem Moment alle vier so gar keine Lust mehr! Und nebenbei ist Uruguay ja auch das teuerste Land Südamerikas, was unser Budget mächtig ins Schwitzen brachte.


Eines war für uns alle klar: Wir wollten aus dieser Stadt raus. So entschieden wir uns, auf den Stellplatz Paraíso Suizo zu fahren. Ein Stellplatz für Camper, ca. 1 ½ h von Montevideo entfernt. Wir mieteten ein kleines Häuschen für vier Personen und genossen das entspannte Bungalow-Leben. Dorthin zu fahren war eine der besten Entscheidungen, die wir bisher getroffen haben! Der Platz war einfach perfekt! Neben dem unglaublich schönen und sauberen Häuschen mit Umschwung und Strandzugang, gefiel uns der Austausch mit den Gastgebern Silvia und Heinz und den anderen Gästen auf dem Camping besonders. Alle Leute, die wir dort kennengelernt haben, waren unfassbar freundlich, unkompliziert, hilfsbereit und hatten alle sonstigen netten Eigenschaften, die man sich nur vorstellen kann.



Funfact

Die Gastgeber Silvia und Heinz sind ursprünglich Schweizer, leben aber seit beinahe 30 Jahren in Uruguay. Bereits am Ankuftstag sagte Siliva: «Jede Abe am haubi Sächsi gitz de Apero bi üs vore.» Mario und ich natürlich: «Ooh cool, da si mir gärn derbi! Mir fröie üs!» Fiona und Felix hingegen schauten etwas verdutzt. Etwas später teilten sie uns dann mit, dass sie Apero, wie wir das kennen, in Deutschland gar nicht haben. Nach dem ersten Apero-Abend, freuten wir uns dann aber alle vier immer schon am Nachmittag aufs bald anstehende Apero. Und selbstverständlich fehlten wir an keinem! :)



Paraíso Suizo war ein echtes Paradies! Siehe Bildslider unten. Alle diese Bilder haben wir dort aufgenommen.


DER CONTAINER IST DA!

Am letzten Januar-Tag kam dann die Nachricht: Morgen könnt ihr eure Fahrzeuge aus dem Container befreien. Treffpunkt 13.30 am Hafen in Montevideo.

Zugegeben, alle waren wir etwas nervös, dass es nun doch endlich los ging! Wir haben schon so lange auf diesen Moment gewartet.

Die Abwicklung am Hafen lief zu unser aller Erfreuen reibungslos. Das ganze Prozedere hat ungefähr drei Stunden in Anspruch genommen. Alles ohne Zwischenfälle oder sonstige unerwartete Schwierigkeiten: Zuerst Container öffnen, dann Zoll mit Durchsuchung durch einen Drogenspürhund, danach Abrechnung mit unserem Agenten der alle Papiere für uns erledigt hat und zum Schluss das Erledigen der Papiere zur temporären Einführung unseres Fahrzeugs für Uruguay. Wie alle Uruguayos waren auch die Hafenmitarbeitenden enorm freundlich und hilfsbereit. Worüber wir im wahrsten Sinne des Wortes sehr dankbar waren und immer noch sind! Denn: Nur mit vereinten Kräften konnten wir unseren Jumper aus dem Container befreien, denn beim Drehen des Zündschlosses ist einfach gar nichts passiert… Dank Anschieben konnten wir den Motor des Busses, nachdem er aus dem Container im Leergang rausgeschoben wurde, dann doch noch starten.



So war unser erster Halt gezwungenermassen ein Stopp bei einer Autowerkstatt. Wir parkten auf der Strasse und der Chef der Werkstatt kam sofort zu Hilfe. Die ersten Versuche der Reparatur fanden aussen auf der Strasse statt, bis er dann meinte, es sei doch etwas schwieriger und wir müssten das Auto bei ihm lassen. Mittlerweile war auch schon ca. 19.00 Uhr. Der Mann meinte, heute mache er nichts mehr, er melde sich aber am darauffolgenden Tag bei uns, wenn die Reparatur beendet ist und wir unser Fahrzeug abholen können. Am gleichen Abend jedoch schickte der Mann bereits erste Bilder vom ausgebauten Anlasser. Dazu schrieb er: «Ihr habt wohl viel Schnee bei euch!» Denn, durch die lange Wartezeit am Hamburger Hafen bei Minustemperaturen ist da offenbar etwas korrodiert.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass noch weitere temperaturbedingte Schäden auf uns warten würden.

Nun gut, am nächsten Morgen erhielten wir die Nachricht, dass unser Fahrzeug abholbereit war. Wir freuten uns riesig, dass die Reise nun definitiv beginnen kann! Zurück in Paraíso Suizo begannen wir, unsere Sachen aus den Koffern in den Bus einzuräumen. Zudem wollten wir unser komplettes Wassersystem einmal reinigen und selbstverständlich mit Wasser befüllen. Mario füllte Wasser in den Tank ein und stellte anschliessend die Wasserpumpe ein. Wir prüften alle «Ausgänge» des Wassersystems. Zuerst hinter der Dusche: Alles gut. Dann beim Druckausgleichsbehälter: Alles gut. Dann beim Boiler: Nicht alles gut! Der komplette Bereich unter dem Sitz, wo der Boiler verstaut ist, lief langsam immer mehr mit Wasser voll. Das darf doch nicht wahr sein! Wir begannen mit Tüchern zu trocknen. Als Mario dann noch feststellte, dass die Standheizung inklusive Verteilrohre auch komplett mit Wasser gefüllt waren, konnten wir das dann definitiv nicht mehr fassen. So lange haben wir gewartet, und jetzt das!

Zum Glück war die Leiterplatine (elektrisches Steuersystem) der Standheizung noch trocken. Mit Präzision trockneten wir alles ringsum und testeten dann die Heizung. Ein kleiner Glücksmoment, da die Heizung offenbar noch voll und ganz funktionsfähig war! Es war schon spät Abends und die Energie war nicht mehr wirklich da, also legten wir uns zu Bett. Unsere erste Nacht im Bus in Südamerika.


Mario recherchierte im Bett noch lange, wie es zu diesem Wasserschaden hatte kommen können. Auch da wieder: Offenbar Standschaden vom langen Stehen in Hamburg. Aber wie genau kann bei einem Boiler die Schweissnaht reissen? Selbstverständlich haben wir vor Abstellen in Hamburg das Wassersystem einmal komplett entleert. Was wir aber damals (noch) nicht wussten war, dass sich das Wasser an einigen Stellen ansammelt und man das hätte manuell ablassen müssen. Dadurch, dass es in Norddeutschland bis minus 10 Grad kalt wurde, ist das angesammelte Wasser gefroren und hat dadurch einige Teile gesprengt, wie eben beispielsweise die Schweissnaht des Boilers. Aber auch andere Teile waren betroffen: Hinter der Dusche sahen wir später noch, dass eine Verbindung auch zerbrochen war und der Behälter vom Wasserfilter war auch kaputt.


Der nächste Tag startete früh. Von allen Seiten wurde uns geholfen! Heinz, der Camping-Besitzer vermittelte uns an einen Schweisser, der den Boiler reparieren konnte. Bereits am Mittag war der Boiler geflickt. Unterdessen bauten wir die Duscharmatur komplett aus. Ein anderer Reisender auf dem Platz hatte Kleber dabei, welche wir benutzen durften. Unsere Freunde Fiona und Felix waren uns behilflich bei vielen kleineren Dingen wie Nummernschild anbringen, Kanister aufs Dach binden, Mithilfe beim Ein- und Ausräumen, Zmittag zubereiten und noch vielem mehr. Immer wieder kam Silvia, die Besitzerin des Stellplatzes und fragte, ob wir noch was bräuchten und wie wir vorankommen. Wir waren also in besten - und vor allem helfenden - Händen!

Unsere Stimmung glich an diesem Tag einer Achterbahn: Mal konnten wir die Situation gut nehmen, mal waren wir den Tränen nahe.



Unsere Containerbuddies und mittlerweile neuen Freunde Fiona, Felix und Berta haben dasselbe Ziel wie wir. Wir alle möchten möglichst rasch nach Ushuaia kommen, die südlichste Stadt der Welt; auch das Ende der Welt genannt. Deswegen haben wir nach einigen Tagen gemeinsamer Bungalow-Zeit beschlossen, dass wir die ersten südamerikanischen Kilometer gemeinsam befahren. Durch unseren Wasserschaden jedoch entschieden wir im Verlauf des Tages, dass das wohl eher nicht realistisch ist, gemeinsam loszufahren, weil wir nicht wussten, wie lange unsere Reparaturarbeiten noch andauern. Wir entschieden, dass Fiona und Felix am nächsten Morgen so oder so losfahren und wir ihnen dann, sobald wir fertig sind, einfach folgen und uns unterwegs treffen. Nach dem Apero bezahlten wir unseren Aufenthalt. Zumindest das gab uns das Gefühl von «Abschluss» bzw. «Anfang».

Und tatsächlich: Wir machten uns am Abend nochmals an die Arbeit und kamen gut voran. Die Duscharmatur war wieder dicht, der Boiler war wieder eingebaut, der Kleber wieder ausgehärtet. Den finalen Wassertest wollten wir aber am nächsten Tag vornehmen.


Tagwache war auch am nächsten Tag wieder früh. Der Puls beim Wassertest stieg fast wieder gleich hoch, wie zwei Tage vorher, als wir den Bus abholen konnten. Der einzige Unterschied: Damals war’s Freude, jetzt war’s Anspannung. Glücklicherweise durfte der Puls dann doch vor lauter Freude oben bleiben, denn der Wassertest war erfolgreich! Alles dicht!


UND LOS GEHT'S

Samstag, 4. Februar, 10.55, ein Toyota LandCruiser, ein Citroen Jumper, vier junge Reisende und ein Hund. Gemeinsam ging’s los.

Vor der Abfahrt durfte natürlich ein herzliches Verabschieden und ein noch herzlicheres und grösseres Merci-Sagen bei Silvia und Heinz und allen anderen Leuten auf dem Platz nicht fehlen. Und auch hier nochmals: MERCI!


Seit da sind wir gemeinsam unterwegs. Auf unserem Weg ans Ende der Welt darf ein Zwischenhalt auf der Halbinsel Valdes selbstverständlich nicht fehlen. Die Halbinsel ist bekannt für ihre vielfältige Tierwelt wie Pinguine, Wale, Orcas, Seelöwen und Vögel. Wir sind gespannt und freuen uns darauf, welche der dort lebenden Tiere wir sehen werden.

Am 5.2. passierten wir die Grenze zwischen Uruguay und Argentinien. Der Grenzübertritt verlief unspektakulär gut, worüber wir natürlich sehr froh sind! :)


Die Distanzen hier in Argentinien sind unfassbar lange! Kein Wunder, Argentinien steht auch an achter Stelle der grössten Länder weltweit. Von Montevideo aus sind es gut 3500 km bis nach Ushuaia. Die Strecke ist langweilig – und wird gemäss Beschreibungen der Locals noch langweiliger. Einfach eine geradlinige Strasse mitten durch ebene Felder und Landschaften. Wirklich schön, aber nach einiger Zeit der Autofahrt auch wirklich langweilig. Trotzdem möchten wir pro Tag so viele Kilometer wie möglich machen, da in Ushuaia der Winter langsam am Kommen ist. Von Winter spüren wir aktuell jedoch noch gar nichts. Die Sonne steht hoch und wir schwitzen bei knapp 40°C vor uns hin.

Mittlerweile befinden wir uns mitten in der Pampa. In einer Provinz in Argentinien, die ebendiesen Namen trägt: la Pampa. Unsere beiden Autos bekamen hier ein Lifting der Blattfedern, was das Fahrgefühl nochmals deutlich steigern soll. Auf Empfehlung von anderen Reisenden fanden wir einen Spazialisten für Blattfedern in der Provinzhauptstadt Santa Rosa. Am 7.2. kam wir bei der Werkstatt an. Den LandCruiser konnten wir direkt stehen lassen, der Jumper sollte am nächsten Tag an der Reihe sein. Einer der Mitarbeitenden spricht perfektes Englisch und fing sofort an mit uns zu plaudern. Er fragte uns, was wir denn nun noch so vor hätten den ganzen Tag und wir: «Ach, das wissen wir noch nicht. Mal schauen, wie wir den Tag rumkriegen.» Da meinte er kurzerhand: «Kommt doch zu mir, ich lade euch ein. Ab 12.00 bis 16.00 Uhr habe ich Siesta und während dieser Zeit könnt ihr gerne zu mir kommen.» Da sagten wir natürlich nicht nein und sassen kurz darauf mit ihm und seiner Frau zusammen in ihrem Garten.

Die Freundlichkeit der Südamerikaner ist einfach unfassbar! Jeder ist hilfsbereit, nett und offen und das in einer Selbstverständlichkeit! Von den Mechatronikern, über die Mitarbeitenden bei Banken bis hin zu den Zoll-Mitarbeitenden.



Jetzt geht’s weiter. Kilometer für Kilometer bis nach Valdes und dann nach Ushuaia.

Die Karte auf der Startseite zeichnet unsere Route genau auf, falls du unseren Weg mitverfolgen möchtest.

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