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6 Wochen Zentralafrika - wir kommen wieder!

Unsere Zeit in der RCA (Zentralafrikanische Republik) ist vorbei. In unseren Gedanken und Herzen hingegen wird dieses Land immer einen Platz haben. Wir haben in den vergangen sechs Wochen so vieles erlebt, gelernt, gesehen und vor allem viele, viele wunderbare Menschen und ihre Geschichten kennengelernt. Wie in den letzten Beiträgen beschrieben, könnten die Schweiz und die RCA unterschiedlicher nicht sein. Man spricht nicht von zwei Welten, sondern von zwei Planten. In diesem Blog-Beitrag fassen wir zusammen und erzählen unser Erlebtes - jedenfalls einen Teil davon, ansonsten würde das ein ganzes Buch füllen. Und bitte halte beim Lesen immer vor Augen: wir schreiben von einem anderen «Planeten».

 
UNSERE REISE INS HINTERLAND

Als ob Bangui für uns Schweizer nicht schon ein beispielloser Kulturschock wäre, verbrachten wir lediglich vier Tage in der Hauptstadt, bevor wir am 16. November ins Hinterland reisten. Wir durften die Eltern von Lea begleiten, die in Mobaye (Stadt rund 600km von Bangui entfernt) berufsbedingt einen Besuch machten. Am frühen Morgen gingen wir zum Flughafen. Zu unserer Überraschung stand dort ein Heli – und ja, dieser war unser Transportmittel. Der rund eineinhalbstündige Flug über die Landschaft mit Wäldern und Flüssen war wunderschön. Wir sind beide vorher noch nie Helikopter geflogen und nun, in der RCA, dieses Erlebnis! Als wir in Mobaye angekommen sind, wurden wir herzlich empfangen und nicht nur der Empfang war so herzlich. Jeden Tag gaben die Leute vor Ort ihr Bestes für uns! In den letzten beiden Blog-Beiträgen haben wir auch schon über das Hinterland berichtet, über die Gastfreundschaft, die Kinder und eine Lebensgeschichte erzählt.


Es war auch in Mobaye, als wir unsere erste Flussfahrt mit einer Pirogue (Einbaum-Boot) erleben durften. Die Stadt am Fluss beheimatet viele Fischer. Für viele ist der Fluss auch die Verbindungsstrasse Nr. 1. Entsprechend viele Einbaum-Boote finden sich am Flussufer. In dieser Fischerstadt gab’s für uns natürlich fast jeden Tag frischen Fisch. Und zwar nicht Fisch von einem riesigen Fischkutter, sondern Fisch, gefischt mit einem kleinen, handgefertigten Netz oder einer Angel am Vormittag. Die Zubereitungsart war immer unterschiedlich, mal gekocht, mal grilliert. Einmal wurde uns Capitaine-Fisch serviert. Dies ist eine lokale Spezialität. Wow, so guten Fisch hatten wir noch nie gegessen!


Wir besuchten humanitäre Projekte vor Ort, wie Privatschulen und ein Projekt für die berufliche und persönliche Wiedereingliederung von im Krieg geflüchteten Zentralafrikanern. Wir machten einen Ausflug zu einem Wasserfall und zu einem Aussichtspunkt. Anmerkung: Ein solcher Ausflug bleibt nie unbemerkt. Als wir im Dorf, welches einige Gehminuten vom Wasserfall entfernt ist, ankamen, sammelten sich die Leute vom Dorf in einer Menschentraube um uns. Alle wollten mit zum Wasserfall kommen. Sie freuten sich, dass wir da sind und sie uns den Wasserfall zeigen durften. Kinder, Jugendliche, Erwachsene; alle kamen mit! Diese lockere, unkomplizierte Art ist doch einfach der Hammer. ☺

Mario half mit, einen Schiffsmotor zu reparieren, Lea bearbeitete Bilder, wir lernten einige Worte Sango und hatten immer wieder gute Gespräche mit sehr inspirierenden Personen vor Ort. Unser Tagesablauf war im Grunde immer ähnlich: morgens um 7.00 Frühstück, dann Büro (Foto, Video) oder sonstige Aktivitäten (Ausflug, Seminar, Gespräche, Handwerk; einfach das, was die Eltern von Lea zu tun hatten – sie waren ja am Arbeiten). Gegen 12.00 Mittagessen. Anschliessend Siesta bis ca. 14.00. Am Nachmittag nach Bedarf die Arbeit vom Vormittag nochmals aufnehmen und ab ca. 16.30 Spaziergang. Meist spazierten wir in der Abendsonne und beobachteten den Sonnenuntergang (ca. 18:00). Nach dem Spaziergang: Duschen, anschliessend Znacht (immer draussen unter freiem Sternenhimmel). Die Einheimischen gehen nach dem Znacht langsam in ihre Häuser und kurz danach ins Bett. Wir hingegen nahmen vier Stühle vor unsere Haustüre und liessen den Abend mit Gesprächen und Beobachten der Natur ausklingen. An der Hausfassade, wo das Eingangslicht brannte, gab’s immer besonders Viel zu beobachten: Die vom Licht angezogenen Insekten, lockten wiederum viele Geckos an, bei welchen Insekten auf der Speisekarte stehen. Wir liebten es, die flinken Tiere bei ihrer Jagd zu beobachten. Ebenfalls konnten wir Tausendfüssler, unterschiedliche Ameisen-Arten und ihre Strassen, Frösche und viele, viele Insekten bei ihrem Leben und Arbeiten beobachten.



Funfact

Unsere Ausflüge unternahmen wir jeweils mit einem Pick-up und standen entsprechend hinten auf der Ladefläche. Jeder konnte uns Moundjous, ausgesprochen: „Munschus“ (Sango für Weisse) also sehen. (Lies im letzten Blog-Beitrag mehr über die Reaktionen zu unserer Hautfarbe.) In der Stadt Mobaye lebt ein deutscher katholischen Priester. Sein Name ist Olaf. Er ist fast der einzige Weisse, der in dieser Region lebt und umherreist. Nun wenn wir also mit dem Auto unterwegs waren, hinten auf dem Pick-up standen, riefen uns die Kinder zu: «Olaf, Olaf!» Für sie ist: Weisser = Olaf. ☺




DAS LEBEN IN DER HAUPTSTADT

Nach 14 Tagen im Hinterland kamen wir am 30. November wieder in der Hauptstadt an. Den Retourweg mussten wir aufgrund diverser Umstände mit dem Auto bewältigen. Etwas mehr als 600km auf Pisten, die den Namen Strassen nicht verdient haben. (siehe auch Video im letzten Beitrag) Es war heftig. Und doch wurden wir mit der Realität in diesem Land konfrontiert. Ein nicht funktionierendes Strassennetz bremst die Entwicklung eines Landes komplett aus…

In Bangui ist jeder einzelne Tag, an dem man aus dem Haus geht ein Erlebnis – oder eigentlich muss man das Haus gar nicht verlassen. Schon im und ums Haus ist viel los: Manchmal kommt Wasser aus dem Hahn, manchmal nicht. Manchmal hat es Strom, manchmal nicht. Manchmal sitzen Leute vor der Haustüre, die ein Anliegen haben (Verkauf von Waren oder einfach für ein Gespräch). Sie warten dann vor der Türe, bis jemand – meist Kusi, der Vater von Lea – sich ihnen annimmt. Das Warten macht ihnen nichts aus, Zeit haben sie ja. Am Morgen kräht der Hahn und im Garten kann man die frisch geschlüpften Kücken beobachten. Am Abend hüpfen Frösche durch den Rasen und Geckos kleben an der Decke auf der Veranda. Wir assen saftige, süsse Früchte und bereiten leckere Menüs mit lokalen Spezialitäten zu. Dabei dauert das Verarbeiten der Produkte immer viel länger, als man sich das gewohnt ist. Alles muss sehr gut gewaschen und sortiert werden, bevor das eigentliche Kochen beginnt. Mario hat sich der Stromversorgung im Haus angenommen und das bestehende Solaranlage-System optimiert.


Gerne wollten wir aber auch das Land und dessen wunderschöne Natur entdecken, so machten wir selbstverständlich auch Erlebnisse ausserhalb von Haus und Garten.

Wir besuchten zwei wunderschöne Wasserfälle, sahen uns den Match der Schweizer Fussballnationalmannschaft im Public Viewing unter einem Gummibaum mit anderen Schweizern an, besuchten den Weihnachtsmarkt in Flip-Flops und gingen auf den lokalen, wirbelnden Markt, um schöne afrikanische Stoffe einzukaufen. Das Stadtleben ist farbig und fröhlich. Die Strassen sind gefüllt mit Menschen und Motorrädern. Nicht immer ganz unproblematisch und ungefährlich werden Autos und Motorräder beladen, die anschliessend durch die engen Gassen um die Menschenmengen herum zirkeln.

Wir lernten, dass eine Orange geschält und anschliessend als Snack für Zwischendurch ausgesaugt werden kann und wie man eine Palme fällt, um anschliessend das Palmherz zur Delikatesse weiterzuverarbeiten.


Ja, uns war es definitiv nicht langweilig! Und man beachte: Es gäbe noch viiiel mehr zu erzählen. RCA, wir kommen wieder!



Unsere Zeit in der RCA ist vorbei, unsere Reise hingegen geht weiter! Mittlerweile sind wir in Montevideo, Uruguay, angekommen. Im nächsten Blog-Beitrag liest du von unserer abenteuerlichen Reise bis dort hin. Weihnachten im Kamerun - das war nicht geplant!

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